Veranstaltung: Heimspiel Knyphausen 2026
Datum: 31.07. – 02.08.2026
Besucher: max. ausverkauft
Location: Draiser Hof, Weingut zu Knyphausen, Eltville
Das LineUp
Freitag, 31.07.2026
BEAKS
Endless Wellness
Großstadtgeflüster
Samstag, 01.08.2026
Giesbert Knyphausen
Gina Été
Tramhaus
Kapa Tult
Cari Cari
The Notwist
Sonntag, 02.08.2026
One Sentence.Supervisor
Hotel Rimini
Fortuna Ehrenfeld
Heimspiel Knyphausen 2026
Zwischen Reben, Rhein und Musik.
Es gibt Festivals, die beeindrucken durch ihre Größe. Andere durch spektakuläre Bühnen oder internationale Headliner. Und dann gibt es das – Heimspiel Knyphausen. Ein Festival, das seit Jahren konsequent seinen eigenen Weg geht und gerade deshalb immer wieder ausverkauft ist – in einer Zeit, in der viele Veranstaltungen mit rückläufigen Besucherzahlen kämpfen.
Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass das Heimspiel kein Ort sein möchte, an dem möglichst viel gleichzeitig passiert. Es ist ein Ort, an dem man ankommt.
Donnerstag. Ankommen.
Als ich am Donnerstagnachmittag meinen Arbeitsplatz in der Produktion einrichte, zeigt das Thermometer noch immer stolze 37 Grad. Auf der angrenzenden Obstwiese treffen nach und nach die ersten Camper ein. Familien richten ihre Camper ein, Kinder erkunden neugierig die Wiese und noch wirkt alles erstaunlich ruhig. Morgen wird hier kaum noch ein freier Platz zu finden sein.
Nur wenige Schritte entfernt liegt das eigentliche Herzstück des Festivals: das Weingut Baron Knyphausen. Kein beliebiges Veranstaltungsgelände, sondern der Familiensitz u.a. von Frederik und Gisbert zu Knyphausen. Zwischen historischen Gebäuden, Weinbergen und alten Bäumen entsteht Jahr für Jahr ein Festival, das sich eher wie ein großes Sommerwochenende mit Freunden anfühlt als wie eine klassische Großveranstaltung.
Der Weg zur Bühne führt an der Lounge vorbei. Hier gibt es am Sonntag Yoga, der Kinderzirkus probt, Kinderschminken oder in den vergangenen Jahren gab auch schon mal eine Schreibwerkstatt. Schon diese Kleinigkeiten zeigen, worum es beim Heimspiel geht: Nicht möglichst viel Programm, sondern Zeit zum Ankommen.
Freitag. Einlass.
Einlass und gleich eine erste wichtige Änderung. Nachdem in den zurückliegenden Jahren als Ersatz für den Graben die Kinderbühne eröffnet wurde, rücken nun die Picknickdecken um ca. 10m von der Bühne weg. So soll den Besuchenden die Möglichkeit zum entspannten tanzen gegeben werden. Auf der Bühne eröffnen BEAKS den Abend, Endless Wellness übernehmen. Den Schlusspunkt setzten die Berliner Großstadtgeflüster. Eine mutige Verpflichtung, die eindrucksvoll beweist, dass das Heimspiel längst mehr ist als ein reines Singer-Songwriter-Festival. Die stilistische Offenheit gehört inzwischen ebenso zur DNA des Festivals wie die Weinberge selbst. Auch die lokale und auch überregionale Berichterstattung hebt diese musikalische Vielfalt als Markenzeichen hervor.
Samstag. Rhythmus des Heimspiels.
Ein kurzer Regenschauer begrüßt den Samstagmorgen.
Kaum sind die Wolken weitergezogen, startet wohl einer der schönsten Programmpunkte des gesamten Wochenendes: der Heimspielliner.
Eigentlich hätte die Niederländerin Künstlerin Rosmarijn an Bord auftreten sollen. Krankheitsbedingt muss sie kurzfristig absagen. Kurzerhand springt Gisbert zu Knyphausen selbst ein. Alte Bekannte seines Repertoires treffen auf neue, bislang unveröffentlichte Songs seines kommenden Albums. Während der Rhein gemächlich vorbeizieht, entsteht eine Atmosphäre, die intimer kaum sein könnte. Keine große Bühne, keine Lichtshow – nur Musik, Wasser und ein Künstler, der sein eigenes Festival für eine Stunde begleitet. Wie immer gab es zwei Fahrten, eine um 11 und ein um 13 Uhr. Es darf also gemütlich in den Tag gestartet werden.
Zurück auf dem Weingut wartet bereits der nächste feste Bestandteil des Heimspiels: die Wein- und Käseverkostung. Stark dezimiert ist dieser Programmteil leider in diesem Jahr, aber die Nachfrage hielt sich vornehm zurück. Schokolade, Wasser oder Macarons ließen sich auch schon hervorragend mit den Weinen kombinieren. Ich schwöre ja immer noch auf die Wasserverkostung.
Seit Jahren begleite ich diese Veranstaltungen fotografisch. Diesmal findet sie nicht im historischen Weinkeller statt, sondern im Restaurant des Weinguts. Die Atmosphäre verändert sich dadurch ein wenig, nicht jedoch die Qualität. Besonders beeindruckend: Kellermeister Stefan führt in diesem Jahr nicht nur souverän durch die ausgewählten Weine, sondern übernimmt ebenso kompetent die Einführung in die korrespondierenden Käsesorten. Fachlich fundiert, humorvoll und mit großer Leidenschaft gelingt ihm eine Verkostung, die weit mehr ist als ein Begleitprogramm zum Festival.
Überhaupt zeigt sich an vielen Stellen, wie eng Musik, Wein und Gastfreundschaft miteinander verbunden sind. Zwischen den Reben stehen Biertischgarnituren, die Vinothek lädt zum Verweilen ein und an den Foodständen reicht das Angebot vom Rheingauer Winzerweck bis zu Burgern, Pinsa oder handgemachtem Eis. Hier wirkt nichts beliebig.
Musikalisch entwickelt sich der Samstag zum Herzstück des Wochenendes. Gina Été eröffnet den Tag, Tramhaus bringen enorme Energie auf die Bühne, Kapa Tult und Cari Cari begeistern das Publikum, bevor The Notwist den Abend eindrucksvoll beschließen. Für mich bleibt The Notwist auch deshalb besonders, weil sie bereits beim Heimspiel 2017 begeistert haben und ihre Rückkehr mit neuem Material eindrucksvoll unter Beweis stellen, warum sie seit Jahrzehnten zu den prägenden Bands der deutschen Indie-Szene gehören.
Sonntag. Abschied auf leisen Sohlen.
Der Sonntag beginnt so, wie das Heimspiel eben beginnt. Nicht mit Hektik.
Vor der Bühne versammelt sich zunächst die Crew zum gemeinsamen Gruppenfoto. Menschen, die das gesamte Wochenende meist nahezu unsichtbar geblieben sind, stehen plötzlich im Mittelpunkt. Wenig später rollen auf der Loungewiese die Yogamatten aus, während wenige Meter weiter bereits der Duft eines eigens kreierten Frühstücksburgers über das Gelände zieht.
One Sentence. Supervisor eröffnen den letzten Festivaltag. Wer verspielte Klanglandschaften erwartet, wird von den Schweizern schnell überrascht. Immer wieder treiben kraftvolle Sequenzen die Songs nach vorne. Bereits beim Haldern Pop Festival 2025 hatte mich genau diese Energie begeistert. Zudem sind es überaus angenehme Menschen. Der Kontakt fällt leicht.
Hotel Rimini bestätigen anschließend meinen ersten sehr guten Eindruck vom Orange Blossom Special. Die Leipziger Band verbindet kluge Texte mit einer bemerkenswerten musikalischen Wärme. Überhaupt scheint Leipzig sich in den vergangenen Jahren zu einem echten musikalischen Kraftzentrum entwickelt zu haben. Kapa Tult spielten ja am Samstag, Niels Keppel im vergangenen Jahr…
Den glorreichen Abschluss zu nachmittäglicher Zeit (auch das eine Eigenart des Heimspiels) Fortuna Ehrenfeld. Für mich gehört Martin Bechler mit seiner Band seit Jahren zum Spannendsten, was die deutschsprachige Musiklandschaft derzeit zu bieten hat. Poetisch, schräg, humorvoll und tiefgründig zugleich.
Zu den schönsten Momenten des Wochenendes zählt unser Wiedersehen hinter der Bühne. Schnell sind wir wieder im Gespräch. Zum Finale betritt Gisbert zu Knyphausen im bandeigenen karierten Schlafanzug die Bühne. Gemeinsam mit Fortuna Ehrenfeld spielen sie „Das letzte Kommando“. Ein augenzwinkernder Schlusspunkt, wie er besser kaum zu diesem Festival passen könnte. Spoiler 2027: Giesbert wird mit eigener Band und neuem Album auf der Heimspielbühne stehen…
Später geht es um Martins legendäre Fender. Wie schon oft zuvor reicht er sie während des Konzerts ins Publikum. Doch diesmal geschieht etwas, was ihn wohl selbst überraschte: Erst vier Tage später findet das Instrument den Weg zurück. So lange war seine Gitarre noch nie unterwegs gewesen. Eine blutdrucktreibende Anekdote – und vielleicht aber auch ein Sinnbild für das Vertrauen, das zwischen Künstlern und Publikum beim Heimspiel herrscht.
Heimspiel. Mehr als ein Festival.
Während des gesamten Wochenendes fällt immer wieder auf, wie aufmerksam die Menschen miteinander umgehen.
Familien mit Kindern gehören ebenso selbstverständlich zum Publikum wie eingefleischte Musikfans. Niemand scheint es wirklich eilig zu haben. Es bleibt Zeit für Gespräche, ein Glas Riesling, einen Spaziergang am Rhein oder einfach einen Moment auf einer Bank zwischen den Reben.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum das Heimspiel Jahr für Jahr ausverkauft ist.
Es verkauft keine Superlative.
Es verkauft Vertrauen.
Ein Weingut öffnet sein Zuhause. Künstler begegnen ihrem Publikum auf Augenhöhe. Die Crew arbeitet mit beeindruckender Gelassenheit. Besucher behandeln den Ort mit Respekt. Das alles ergibt eine Atmosphäre, die man nicht buchen oder inszenieren kann.
Am Ende steht eine Galerie von knapp 800 Fotos. Vielleicht ist kein einzelner Lucky Shot darunter. Kein Bild, das Preise gewinnen würdet oder viral geht. Aber gemeinsam erzählen sie die Geschichte eines Wochenendes.
Die Geschichte von Musik zwischen Reben.
Von einer Schifffahrt auf dem Rhein.
Von Begegnungen.
Von Wein.
Von Sommerhitze.
Von einem Frühstücksburger am Sonntagmorgen.
Von einer Fender-Gitarre, die erst vier Tage später nach Hause zurückkehrt.
Und von einem Festival, das sich jedes Jahr ein wenig wie Heimkommen anfühlt.
Als die letzten Cases verladen werden und die Bühne langsam verstummt, steht auf dem Produktionsplan nur noch ein schlichter Satz: „Feierabend – bis 2027.“
Schöner kann man ein Festival eigentlich nicht verabschieden.
30. Juli bis 1. August 2027 – der Draiser Hof wird wieder rufen. Zwischen Musik, Worten, Aromen und Menschen. Der Sommer wird auch wieder nach Heimspiel schmecken.





































































