Veranstaltung: Kaltern Pop Festival 2023
Bands/Künstler: Susan O`Neill (IRL); Anna Ternheim (SE); Dylan Cartlidge (GB); Etaoin (IR) Mid City (AUS); Paula Paula (D); Nichtseattle (D); Ben E.Blame & Sugar Shame (D); Stargaze (EU); Kliffs (Can); Tea Eater (US); Turbo Trööt (I); Kety Fusco (I); Cantus Domus (D); Bingo Fury (GB); One Sentence.Supervisor (CH); Etaoin (IRL); James Bach (I); Blindur (IT); Freddy Fischer & His Cosmic Rocktime Band (DE); Conchur White (IRL); Kai Schumacher (DE); Famous (UK); Glauque (BE); Geena B. & Rufus (IT); DJ Kombusen Tony (D)
Datum: 12.-14.10.2023
Besucher: ca. 800
Location: Kaltern am See, Lago di Caldero (I)
 
Kaltern Pop Festival 2023 – Eine noch fast junge Liebe! Es ist das kunstvollste, liebevollste, gemeinschaftlichste, weinvollste deutsche Festival außerhalb Deutschlands. Jedes Jahr im Blick zurück ist festzustellen, dass ohne die traditionelle Verbindung Haldern – Kaltern niemals ein derartiges Festival auszugestalten möglich gewesen wäre.
Und wenn nun zwischen Bergen, Wein- und Apfelfeldern, am Kalterer See gelegen und mit der lautesten Wehrkirchenglocke des gesamtes Tal versehenen Örtchens Kaltern, imposante Acts aus allen möglichen Regionen der Welt zusammenkommen um Ihrer Leidenschaft nachzugeben, dann, ja dann startet das KalternPopFestival.

Die Anreise mit dem WoMo in diesem Jahr verläuft ganz unspektakulär. Einzig der Brenner ist diesmal eine Baustellentechnische Herausforderung. Aber warum soll es nur in Deutschland stockend vorangehen… und im Vergleich mit einer Anreise mit der Deutschen Bahn will ich gar nicht klagen. Ach ja, und dass später im Jahr noch ein Bußgeldbescheid der Asfina eintrudelt, verschweige ich an dieser Stelle lieber….

Als provisorischer Stellplatz wird wieder die Nähe zum KuBa und zur Bäckerei Eisenstecker direkt in Kaltern gewählt. Kurze Wege zumindest in der Nacht und am nächsten Morgen. Wichtig für das Camperwohlbefinden und allseits toleriert für die drei Tage. Danke dafür!

Bereits am ersten Abend ein kurzes Reinschnuppern in der KalternPopBar. Hier treffen sich während des Festivals alle. Crew. CEO. Artists. Freunde und auch Touristen. Stefan und Pety schaffen jedes Jahr auf Neue aus dem Lustigen Krokodil das Pendant zur HaldernPopBar. Mit Wein, Espresso, gutem Essen, herausragender Gastfreundschaft und italienisch/deutschem Schlager. Es bleibt stets der Fixstern des KalternPopFestivals!

Eröffnung nächsten Tags im Puntay Keller der Cantina Kaltern mit Cantus Domus. Wunderbares Eröffnungsset mit vier Stücken. Alles weitgehend unangekündigt und somit eigentlich den frühangereisten socialmediaaffinen Zuhörern vorbehalten. Dazu ein Aperitif in rot oder weiß. Fein.

Während die meisten Besucher entspannt auf dem Markt ihren Nachmittagskaffee in der Sonne sitzend genossen, erklangen wilde Töne des Walking Act Turbo Trööt. Die Kapelle goss blechbläsernd gute Laune in den Kaffee und begrüßt quasi semiofficial die Besucher des kpf23.

Der angekündigte folgende Special Act in der Franziskanerkirche entpuppte sich als Nichtseattle…. Es schien etwas anderes geplant gewesen zu sein. Von Gisbert bis Fabricio reichten die Spekulationen. Aber Katharina Kollmann schafft es mit ihren Songs spielend eine emotionale Tiefe und erreicht mit ihren Texten schnell die Herzen. Du bist – wirklich – schön!

Kai Schumacher am Flügel schafft komplexe Klangwelten, mal mit feiner Struktur und dann wieder mit einem stoischen Beat unterlegt. Die Franziskanerkirche erstarrte in fast andächtiger Stille.

Blindur – das italienische Duo bespielt das Weinmuseum in ihrer Muttersprache und ordentlich verstärkendem Hall. Und wenn sich selbst Damien Rice an den Songs bedient, dann spricht auch dies für die herausragende Qualität der beiden. Und doch merke ich, wie mich in meiner Jugend Künstler wie Gianna Nanini, Eros Ramazotti oder auch Adriano Gelentano geprägt und meine Sicht auf Musik aus Italien eingeschränkt haben… Es endet mit einem Heiratsantrag auf der Bühne. Das Herz weitet sich! Italien eben..

Paula Paula – Wette verloren, kein Gisbert.

Mid City – als letzter Spot am Eröffnungstag im Vereinsheim hatten es dann doch unerwartet schwer, ein irgendwie mürrisches Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Aber letztendlich bleibt die eigentlich Frage wie diese kraftprotzende Formation es geschafft hat, die Haldern pop Bar nicht zu sprengen.

Grandioser Ausklang mit dem kongenialen DJ Duo Ben E. Blame & Sugar Shame im KuBa. Ich wusste, dass die späte, oder auch frühes Uhrzeit am Tag, mich schrotten würde… Schön war’s!

Zweiter Tag und eine kleine Freiluftmatinee im Ansitz Haus Windegg mit James Bach, Turbo Trööt und die wunderbare Nichtseattle. Dazu Lagrein und Sonnenschein. Gegen Nichts einzutauschen.

Stargaze und Cantus Domus. Eine herausragende Kollaboration des international besetzten Streicherensembles und dem Berliner Chor. Die Franziskanerkirche war mehr als gut gefüllt. Wenn Hände leiden und willkommen heißen. Zyklus von 7 Kantaten von Buxtehude und eine von sieben Antworten in neuer Vertonung von Caroline Shaw. Ein Plädoyer immer an diejenigen zu denken, die Ihre Heimat verlassen müssen.

Kerry Fusco – wer Elektronik, Punk und Harfe mag, der ist hier gut aufgehoben. Wer nicht, der staunt dennoch nicht schlecht.

Etaoin – wenn dich das Leben auf die Probe stellt, streu Glitzer drüber! Strahlende Augen, der ein oder andere Longdrink, verkniffene Tränen und Liebe für alle! Kein Wunder, dass das Publikum nahezu verzückt zurückbleibt. Und Musik gab es dann ja auch noch. Hervorragende im Übrigen.

Bingo Fury – Die Jazzformation ausgewiesener Multiinstrumentalisten bedarf einer ganz besonderen Aufmerksamkeit. Der Barriton des Frontmanns ??? setzt dem Ganzen noch ein Krönchen auf. Melodiosität wechselt mit vermeintlichen Freestyleeinlagen. Mit einem Forst auf der Empore lässt es sich aber gut aushalten. Eine Zeitlang.

Kliffs – die Erwartungen an das kanadische Duo waren hoch. Und sie wurden zu keiner Zeit enttäuscht. Hört selbst!

Voller Kontrast an einem Tag voller musikalischer Kontraste. Famous – Laut, brachial, durchdringend und seit ihrem Gig im Spiegelzelt für mich das Beste! Jedoch sprang heute Abend der energetische Funke nicht rüber und 10 Minuten vor der Zeit vor das Schluss. Merkwürdig, aber verziehen! Ich hatte mich so sehr gefreut!

Matinee
Kliffs mit Paula Paula; conchur White; etaoin + Cantus Domus; Susan O‘Neil + Cantus Domus und Staregaze

Tea Eater – Die Punkkombo des Tages eröffnet den Abend im Vereinsheim. Während „unten“ im Dorf das traditionelle Toggelfest mit reichlich Brauchtum gefeiert wird, knallen im Vereinsheim die für Punkt wenig notwendigen Akkorde durch die noch spärlich besetzten Reihen. UND schon wieder fragst du dich, warum der versammelten Kinderschaar das Konzert ohne Ohrenschutz zugemutet werden muss. Über 100 db auf die Ohren…

Conchur White – in der Franziskanerkirche hätte man einen Notenschlüssel fallen hören können. Voll und still war es, als der junge Singer/Songwriter aus Irland ansetzte und einlud zu träumen. Anfang 2024 erscheint das erste Vinyl. Es lohnt sich…

Opulente Fortsetzung der Matineekollaboration von Susan O‘Neil zusammen mit dem Stargazeensemble und dem Berliner Chor Cantus Domus. Herausragend schön und das wohl best gefüllte Konzert des Wochenendes.

Im Klostergarten der Franziskanerkirche, vor dem stimmungsvoll beleuchteten Teehaus lieferte DJ Anushka Chekheidze ein Set zum Dahinliegen. Liegen in der Sonne auf einer Wiese oder Sonntagnachmittag auf der Couch. Aber irgendwie dann doch nicht um 21:00 Uhr. Die Beats blieben aus, alles klang ausufernd sphärisch und irgendwie fühlte ich mich in Schätzings Schwarm hineingezogen.

Anna Ternheim – die Schwedin, am Nachmittag noch auf dem Weg zur Matinee verschollen, zauberte ein wundervolles Konzert ins Vereinsheim. Nur in Rot und Blau getaucht, das Gesicht oft durch einen großrandigen Hut verdeckt, ermöglichte es so die Konzentration auf die Musik, die so klar und verliebend daherkam, das sich niemand entziehen konnte.

Dylan Cardlidge. Wer den suuuuuper sympathischen Groover beim Haldern erleben durfte, der wusste, dass das Vereinsheim beben würde. Soul, Beats, Rap und Afro. Soo viel Spaß und die Menge tobt! Das wird ein ganz Großer….

Glauque – Der Bühnenaufbau verspricht Grandioses! In einer Reihe kleines Drumset und zwei Keyboards, wie soll man es beschreiben, Stationen. Massive Technik eben. Hämmernde Beats die den Raum auf ein Minimum reduzieren. Französische Vocals, ebenfalls gehämmert. Aber Französisch klingt gehämmert sexy. Während des Soundchecks wurde ich schon von der Empore geblasen. Leider hat es wohl den ein oder anderen vor der Türe Wartenden hinweggeblasen. Der Saal war dann doch nur maßvoll gefüllt. Und dann war auf allem Strom. Im allem war Energie! Mit der Energie der Belgier gehe ich auf die A13 Richtung Deutschland zurück.

Was macht dieses spezielle Festival aus? Die Region Südtirol. Das italienisch geprägte Lebensgefühl mit gutem Essen und noch viel besseren Wein. Herzlichkeit und Wiedersehensfreuen! Freundschaften! Und dann die Musik. Musikalische Brüche. Kunstvolle Kollaborationen, die es nur hier zu geben scheint. Herausragende Musiker:innen aus allen möglichen Gegenden der Welt. Das KalternPopFestival ist dem Geheimtipp längst entwachsen. Es reiht sich ein in die Liga der ausergewöhnlichen Festivals!

 

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